Zum Inhalt springen
Eine Initiative von:

Veröffentlicht am: Hintergrund

Ein Tag...

Bordkoch

BUNDESPOLIZEI kompakt 02|2026

Sie gehören zu den wichtigsten Personen auf einem Einsatzschiff der Bundespolizei: die Bordköchinnen und -köche. Liebevoll werden sie traditionell auch „Smutje” genannt. Denn jeder weiß: Wenn das Essen nicht schmeckt, kippt schnell die Stimmung. kompakt begleitete Bordkoch Lukas Osterkamp an einem Auslauftag bei seinen Vorbereitungen für die anstehende Seestreife.

Ich treffe Lukas um kurz nach 9 Uhr im Dienstgebäude der Bundespolizeiinspektion See Cuxhaven. Zwar beginnt sein Dienst erst um 10 Uhr, aber der gebürtige Wilhelmshavener ist schon seit 6 Uhr auf den Beinen. Der 36-Jährige nimmt die mehr als eineinhalbstündige Anfahrt in Kauf und weiß es zu schätzen, dass er in seiner Heimat leben und arbeiten kann.

Nach seiner Ausbildung zum Koch in einer Großküche arbeitete Lukas zehn Jahre lang in einem Vier-Sterne-Hotel und stieg dort bis zum Küchenchef auf. Seit 2024 ist er für die Bundespolizei in Cuxhaven tätig.

Bei der heute anstehenden Seestreife bekommt er Unterstützung. Denn um die Besatzung der mehr als 25 Männer und Frauen versorgen zu können, fährt eine zweite Bordköchin mit. Karen Billerbeck von der Bundespolizeiinspektion Neustadt in Holstein hilft Lukas in den kommenden Tagen auf See. Die 60-Jährige ist ebenfalls gelernte Köchin und arbeitet bereits seit 1990 für die Bundespolizei.

Die Vorplanung

Den Speiseplan für die kommenden Tage hat Lukas vorab erstellt. Dafür prüfte er zunächst, welche saisonalen und regionalen Produkte bei den Großhändlern in der Region im Angebot sind. Auf dieser Grundlage schrieb er dann seine Einkaufsliste. Pro Kopf und Tag steht ihm ein Budget von knapp 15 Euro zur Verfügung. Besonders freut er sich auf das asiatische Roastbeef. Auf den Speiseplan kommen nur Gerichte, die er auch selbst mag. Wer gern Grünkohl isst, hat bei ihm Pech gehabt. Lachend sagt er: „Das gibt es aus Prinzip nicht, da wird mir schon beim Geruch schlecht!“ Die Aussage nimmt dann auch jegliche weitere Diskussionsgrundlage zum Thema Grünkohl. Schließlich muss er bei jedem Wetter drei Mahlzeiten am Tag auf den Tisch „zaubern“ – für knapp 30 Personen.

Speiseeis und Milchreis gehören zu den Grundnahrungsmitteln an Bord und stehen immer auf der Einkaufsliste. „Das sind die Kleinigkeiten, die für gute Laune an Bord sorgen“, erklärt Lukas.

Er versucht bei der Auswahl der Speisen jedoch eine gesunde Mischung hinzubekommen. Es ist für jeden etwas dabei: Fitnessorientierte Kolleginnen und Kollegen finden genügend Proteinquellen und Vegetarier erhalten ebenfalls vollwertige Mahlzeiten. Mittags kocht er gern eher deftig. Zum Abendessen gibt es meist etwas Leichtes wie eine kalte Platte oder eine Suppe. Auch Süßspeisen kommen nicht zu kurz. Entweder gibt es etwas Süßes nach dem Mittagessen oder zum Kaffee am Nachmittag. Beides zusammen gibt es bei ihm jedoch nicht. Augenzwinkernd sagt Lukas, dass er auch die Verantwortung für die Gesundheit seiner Kolleginnen und Kollegen trage.

Das alles erzählt er mir, während er routiniert seine Lagerbestände im Keller überprüft. Dann machen wir uns auf den Weg zum Großhändler.

Der Einkauf

Sobald Lukas den Großhändler betritt, folgt er einer festen Routine. Wir starten in der Tiefkühlabteilung und arbeiten uns systematisch durch die Regalreihen. Die Lebensmittel werden hier bis unters Dach der großen Halle gelagert. Lukas packt die Waren mit einer Geschwindigkeit ein, die ich selbst nicht bei meinem deutlich kleineren Wocheneinkauf hinbekomme. Er erklärt mir währenddessen, dass dies der stressigste Teil seines Berufes sei – schließlich darf er nichts vergessen. Nachkaufen auf hoher See geht nicht. Gestresst wirkt er auf mich nicht. Ganz im Gegenteil: Selbst dann, wenn ich keine Frage parat habe, redet Lukas fröhlich weiter. Man merkt, dass er genau weiß, was er tut, und Spaß bei der Arbeit hat.

Die Preise mitrechnen braucht Lukas dabei nicht mehr. Das geht rein nach Bauchgefühl. „Ich bin gerade wie ein Roboter“, sagt er lachend.

Während wir weiter durch den Großhandel laufen, grüßt und schnackt Lukas immer mal wieder mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – man kennt sich. „Diese Beziehungen sind wichtig“, erklärt er mir. Heute braucht er kurzfristig eine größere Menge an Würsten aus der Fleischerei. Diese hatte er am Wochenende nicht vorbestellt. Zwei spaßige Sprüche und ein Handschlag später wird unser Wagen von dem Mitarbeiter aus der Fleischerei mit frischen Würsten gefüllt.

Eine Stunde später stehen wir an der Kasse. Nachdem alle Lebensmittel über das knapp zehn Meter lange Kassenband gelaufen und wieder eingepackt sind, zeigt der Monitor den Endbetrag an: 1.475,97 Euro. Lukas liegt damit voll im Budget, mit 11,80 Euro pro Kopf und pro Tag. 
Abgerechnet wird dies über die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt.

Wir verstauen alle Tiefkühlbehälter im Fahrzeug, dann geht es in die Mittagspause zum benachbarten Fast-Food-Restaurant. Ich bin überrascht, doch Lukas meint lachend: „Es liegt auf dem Weg und kostet wenig Zeit. Zudem ist es ja nur zweimal im Monat – da kann man das mal machen.“

Nach der kurzen Pause fahren wir zum Neuen Fischereihafen in Cuxhaven. Dort liegt die BP 83 „BAD DÜBEN“ – eines der 86 Meter langen Einsatzschiffe der Bundespolizei. Es ist kalt an diesem Tag im Februar. Eisflächen bedecken die Pier, eine Möwe kreischt, als wir mit unserem Auto um die Ecke fahren – Hafenatmosphäre im Winter.

An Bord

Die Besatzung beginnt damit, die Lebensmittel mithilfe des Bordkrans im Vorschiff zu verstauen – an Bord gibt es dafür Trocken-, Kühl- und Tiefkühlkammern. Lukas und Karen überwachen den Prozess und weisen an, wo was eingelagert werden soll. Ein festes System gibt es dabei nicht. Hauptsache ist, dass am Ende alles seefest verstaut ist und nichts aus den Regalen fällt.

Anschließend beziehen Karen und Lukas ihre Kammern auf dem B-Deck – mit eigenem Badezimmer. Dieses darf aus hygienischen Gründen auch nur durch die beiden genutzt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Krankheitserreger aus allgemein genutzten Sanitärbereichen in die Küche gelangen und dort Lebensmittel kontaminieren. Für seine freie Zeit hat Lukas Sportgeräte eingepackt, um sich fit zu halten. Im Sommer trainiert er gern auf dem Oberdeck im Freien, aber dafür ist es aktuell leider noch zu kalt.

Nachdem alle Lebensmittel verstaut sind und die Kombüse übernommen ist, geht es schon ans Kochen. Dafür werden zuerst das gefrorene Suppenhuhn und das Lachsfilet aus der Tiefkühlkammer geholt. Beides muss langsam auftauen und wird am nächsten Morgen direkt verarbeitet. Da Karen und Lukas zum ersten Mal zusammenarbeiten, besprechen sie sich vorher. Lukas arbeitet gern unter Stress und schläft dafür ein wenig länger, während Karen lieber langsam und über den Tag verteilt kocht. Man einigt sich jedoch schnell auf die Verteilung der Aufgaben.

Um 14 Uhr füllt sich die Schiffsmesse – das „Wohnzimmer“ des Schiffes – und die Besatzung wird gemustert. Kommandant Gerald Link erklärt allen, was sie in den kommenden Tagen erwartet, und welche Besonderheiten bevorstehen. Unter anderem wird auf dieser Seestreife der Flugbetrieb von Hubschraubern bei Nacht trainiert. Das Abendessen muss daher etwas vorgezogen werden. Das Auslaufen ist für 17 Uhr geplant. Das heißt: Abendessen um 17:45 Uhr.

Es geht zurück in die Küche. Während Karen anfängt, einen Obstsalat für das Frühstück am nächsten Morgen zuzubereiten, zerkleinert Lukas das Gemüse für seine Tortellini Arrabiata mit Ofengemüse und Hirtenkäse. Als die Zutaten zum Anbraten in die heiße Pfanne wandern, verteilt sich ein appetitanregender Geruch in der Kombüse.

Da ich leider nicht mit auslaufen kann, frage ich Lukas nach seinem weiteren Tagesablauf. „Nach dem Abendessen werden wir die Küche aufräumen und putzen. Gegen 19:30 Uhr ist vermutlich Feierabend.“

Der erste Tag im Hafen ist damit geschafft, doch für Karen und Lukas beginnt jetzt erst der eigentliche Rhythmus der Reise: fünf Tage auf See, in denen die Kombüse rund um die Uhr arbeitet.


Text Calvin Janovsky-Lauscher

Cookies